Voller Zuversicht bin ich in die Golfsaison 2026 gestartet. Und einmal mehr bin ich mit voller Wucht in der Realität angekommen.
Golf ist vielleicht der einzige Sport der Welt, bei dem man sich innerhalb von vier Stunden komplett neu erfinden - und gleichzeitig alles verlernen kann. Auf der ersten Bahn mit dem butterweichen Eisen aufs Grün, auf Loch 2 ein Socket Richtung Parkplatz, auf Fairway 3 fragt man sich ernsthaft, ob man überhaupt noch weiss, wie man einen Golfschläger hält. Kurz: Golf ist wie eine toxische Beziehung.
Zu Beginn die grosse Leidenschaft. Man kann die Finger nicht voneinander lassen, freut sich auf jede gemeinsame Minute, verzeiht kleinere und grössere Fehler. Ein verzogener Abschlag? Kein Problem, die Liebe ist grösser. Man spricht noch liebevoll über «unser Spiel».
Dann ziehen die Jahre ins Land. Der Schwung wird schweigsamer. Das Timing kühler. Was früher ein zärtlicher Draw war, ist heute ein passiv-aggressiver Push nach rechts. Man steht am Abschlag wie ein altes Ehepaar beim Frühstück: Keiner sagt etwas, und beide wissen, dass es nicht mehr so ist wie früher.
Immer wieder diese Momente, in denen man spürt: Die Liebe ist verblasst. Man steht über dem Ball und empfindet ein grosses Nichts. Kein Vertrauen. Keine Hoffnung. Der Kopf ist voller Gedanken, die man für sich behält. Wie wenn der Partner sagt: «Wir müssen reden.»
Und wie in jeder kriselnden Beziehung sucht man die Schuld nie bei sich selbst. Ich? Sicher nicht. Es sind die Schläger. Natürlich sind es die Schläger.
Das Eisen 7 fühlt sich tot an. Der Putter «passt nicht mehr zu mir». Der Driver hat seit Wochen «ein Problem mit der Schlagfläche». Wie oft schon wurde ein kompletter Bag ersetzt, nur weil man sicher selbst nicht eingestehen möchte, dass der Fehler hinter dem Schläger steht. Wie in einer schwierigen Beziehung beginnt man, sich nach jemand anderem umzusehen, obwohl man weiss: Nach der euphorischen ersten Verliebtheit kehrt der Alltag ein. Die Golfshops leben davon.
Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb das Verlernen im Golf so leicht ist. Weil jeder Schlag von Emotionen, falschen Erwartungen und Eitelkeiten begleitet wird. Man spielt nie nur gegen den Platz. Man spielt gegen Erinnerungen an bessere Runden, gegen Flightpartner in fragwürdigen Outfits, die bessere Schläge haben. Und gegen den eigenen Stolz. Man sucht die Fehler nie bei sich selbst.
Doch kurz vor dem «Schlussmachen» kommt sie: Die perfekte Runde mit perfekten butterweichen Schlägen, die wunderschön Richtung Sonne fliegen. Wie damals, in der glücklichen Anfangsphase. Und sofort ist sie wieder da, die alte Liebe. Man vergisst sämtliche Demütigungen und Zweifel.
Genau das ist Golf. Man will sich immer wieder trennen. Man droht ständig damit. Aber am Ende bleibt man zusammen. Und das ist gut so. Es lohnt sich, an der Beziehung zu arbeiten.
Bis dass der Slice euch scheidet.