Engadin

«Wenn ich nicht trainiere, wird mir langweilig»

Mit neun Jahren stand er zum ersten Mal im Juniorentraining des Engadine Golf Club, mit gerade einmal 16 Jahren ist Franco Moreno Steger nun der neue Club Champion – und seine Ziele reichen weit über das Engadin hinaus. Der grosse Traum? Die PGA Tour. Ziemlich ambitioniert für einen 16-Jährigen. Doch wer mit ihm spricht, merkt schnell: Das ist kein schnell dahingesagter Teenager-Traum.

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Herzliche Gratulation zum Titel! Mit 16 Jahren die Maestraunza zu gewinnen, wie fühlt sich das an?

Es ist schon etwas Besonderes. Die Clubmeisterschaft findet nur einmal im Jahr statt und entsprechend gibt es diesen Titel auch nur einmal pro Jahr zu gewinnen. Für mich ist es eine grosse Ehre, Clubmeister meines Heimclubs zu sein. Ich glaube, es war das fünfte oder sechste Mal, dass ich mitgespielt habe – jetzt hat es geklappt.

Wann hast du während der Runde zum ersten Mal gedacht: Heute könnte ich tatsächlich gewinnen?

Eigentlich war ich vor dem Turnier und auch vor dem zweiten Tag erstaunlich wenig nervös. Das änderte sich dann auf Loch 16 während der zweiten Runde. Da habe ich realisiert: Jetzt könnte es tatsächlich klappen. Und da begann es schon ein wenig zu kribbeln.

Und was macht man, wenn es auf Loch 16 plötzlich kribbelt?

Essen. (lacht) Ich habe auf der Runde immer etwas zum Knabbern dabei und achte darauf, regelmässig etwas zu essen und zu trinken. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mich das beruhigt. Und meistens habe ich einen Kaugummi im Mund. Das hilft mir ebenfalls.

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Also lautet das Erfolgsrezept für den Clubmeistertitel: Snacks und Kaugummi?

So einfach ist es leider nicht. (lacht) Aber geschadet hat es offenbar nicht.

Du gehörst auch nicht zu den Spielern, die vor einem Turnier stundenlang auf der Range stehen. Warum?

Nein, überhaupt nicht. Ich versuche sogar, vor Turnieren nicht zu viel Zeit auf der Range zu verbringen. Wenn ich zu lange einspiele, beginne ich, über meinen Swing nachzudenken und Dinge zu suchen, die vielleicht gar nicht da sind. Zu viele Gedanken sind im Golf meistens nicht gut. Das gilt übrigens für auf und neben den Platz. Man muss einfach den Ball spielen.

Dabei beschäftigst du dich sonst ziemlich intensiv mit Golf. Wie sieht eine normale Trainingswoche bei dir aus?

In den Ferien trainiere ich eigentlich jeden Tag. Während der Schulzeit versuche ich ebenfalls, mindestens zweieinhalb Stunden pro Tag zu trainieren. Zudem gehe ich dreimal pro Woche ins Gym. Nur am Montag mache ich Pause, weil ich dann einen langen Schultag habe.

Mindestens zweieinhalb Stunden Golf nach der Schule – freiwillig?

Ja. Wenn ich nicht trainieren gehe, wird mir sowieso irgendwann langweilig. Für mich fühlt es sich deshalb gar nicht so extrem an.

Angefangen hat alles mit neun Jahren beim Engadine Golf Club. Wie ging es von dort weiter?

Mit neun habe ich mein erstes Juniorentraining bei Davide Albertini und John Wraight besucht. Dort war ich bis ungefähr 14. Danach kam ich in die Fördergruppe in Domat/Ems und habe daneben viel alleine trainiert. Seit diesem Jahr trainiere ich nun auch privat bei Marcos Moreno.

Was hat sich verändert, seit du mit Marcos trainierst? Was kann er dir noch beibringen, nachdem du offenbar schon sehr, sehr gut Golf spielst?

Seit ich mit Marcos trainiere, ist mein Training strukturierter geworden. Wir arbeiten natürlich an den Feinheiten im Schwung, aber auch an Strategie und Karriereplanung. Es geht nicht darum, viel zu verändern, sondern die kleinen Dinge zu perfektionieren, die am Ende einen grossen Unterschied machen können. Ich lerne auch, bewusster zu trainieren und nicht einfach möglichst viele Bälle zu schlagen. Marcos sieht Dinge, die ich selbst nicht wahrnehme oder gibt mir Tipps, wie ich gewisse technische Feinheiten perfektionieren kann.

 

Golf war lange nicht deine einzige grosse Leidenschaft. Du hast seit deinem fünften Lebensjahr auch Eishockey auf sehr hohem Niveau gespielt. Im April hast du damit aufgehört. Warum?

Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Eishockey war sehr lange ein grosser Teil meines Lebens und viele meiner Kollegen spielen Hockey. Innerlich hatte ich mich aber eigentlich schon länger für Golf entschieden. Die Frage war weniger, ob ich mich für Golf entscheide, sondern eher, wann.

Warum hat Golf gewonnen?

Weil ich glaube, dass ich im Golf das grössere Potenzial habe, wirklich weit zu kommen. Ich möchte sehen, was möglich ist, wenn ich mich voll darauf konzentriere.

Und «weit kommen» bedeutet konkret?

Das Ziel ist ganz klar, auf Tour zu gehen.

Es gibt verschiedene Tours…

Die PGA Tour.

Du bist 16. Andere in deinem Alter überlegen, was sie am Wochenende machen – Du planst die nächsten Schritte deiner Golfkarriere. Wie sehen diese aus?

Ab Januar werde ich für ein halbes Jahr eine Highschool in Südafrika besuchen. Im Winter ist es in der Schweiz schwierig, konsequent und unter guten Bedingungen Golf zu trainieren. In Südafrika kann ich Schule und Training besser verbinden und mich golferisch weiterentwickeln.

Und danach?

Mein Ziel wäre, es an ein College in den USA zu schaffen. Ich glaube, das ist der erfolgversprechendsten Weg, um mein Golfniveau zu verbessern und mich gleichzeitig auch schulisch weiterzuentwickeln. Und vermutlich der Einzige: Die meisten Top-Spieler haben diesen Weg genommen.

Du bist bereit, Eishockey aufzugeben, täglich mehrere Stunden zu trainieren und für den Sport nach Südafrika und vielleicht später in die USA zu gehen. Was fasziniert dich so sehr am Golf?

Golf fordert einen immer wieder neu. Man kann sehr viel trainieren und trotzdem funktioniert nicht jeden Tag alles. Genau das macht es spannend. Man ist sehr stark selbst dafür verantwortlich, was auf dem Platz passiert. Und ich merke einfach, dass ich herausfinden möchte, wie gut ich werden kann.

Zum Schluss: Du bist jetzt 16. Wir sprechen in zehn Jahren noch einmal miteinander. Wo sollen wir dich dann antreffen?

Am liebsten auf der Tour. Das ist auf jeden Fall das Ziel. Bis dahin liegt aber noch ziemlich viel Arbeit vor mir.

«Wenn ich nicht trainiere, wird mir langweilig»